Das Phänomen der
Publireportagen, wie das so schön in der Schweiz heisst, ist den meisten Lesern der Tagespresse nur allzu bekannt. Die schlechteren in der Branche schalten Anzeigen, die aussehen, als wären sie redaktioneller Inhalt. Bessere schaffen es ihre Themen gleich tatsächlich einer Redaktion unterzuschieben. Und die allerbesten vermitteln ihre Beiträge den Redaktionen so, dass der Leser die Werbung gar nicht mehr wahrnimmt.
Nun haben wir aber etwas ganz besonderes gefunden.
Eine Autofirma (Nissan) lanciert analog zu ihren Konkurrenten (Toyota und Honda) eine neue
Marke (Infiniti) in Europa. Laut Wikipedia sollen die ersten deutschen Niederlassungen 2009 eröffnet werden. In der Schweiz hat kürzlich eine
Firma den PR-Auftrag für Infiniti gefasst, es ist also zu erwarten, dass die Wagen auch bald in der Schweiz verkauft werden sollen.
Nun ist die Frage, was Infiniti mit Publireportagen zu tun haben. Die Antwort ist eigentlich: Nichts! Denn Nissan geht einen ganzen Schritt weiter und bringt gar ein eigenes Lifestylemagazin an den Kiosk: Die erste Ausgabe von «
Adeyaka - infiniti magazine» kann man jetzt für 40.- Franken kaufen. Als Vergleich dazu; das Designermagazin
Monocle kostet nur 20.- Franken.
Und was ist drin in Adeyaka, was so viel bedeutet wie
elegant?
Erstens ist da das Auto natürlich sehr oft vertreten - so werden die Designer der Firma bei der Arbeit portraitiert. Nicht zuletzt ist aber tatsächlich richtige Werbung im Magazin vorhanden, wie in richtigen Zeitschriften auch. Bezahlte Werbung, etwa jene Anzeige des Herrentextilienherstellers Windsor.
Die ganze Übung ist furchtbar amüsant. Kommt eine Firma und vermarktet auch gleich die Werbung für die eigene Marke an potentielle Kunden. Interessant wäre ja zu wissen, wie hoch die Auflage ist, ob das Heft tatsächlich gekauft wird. Inhaltlich darf man wohl keine zu hohen Ansprüche an das Heft stellen. Zum Belustigung am Kiosk taugt es aber allemal, zumal man beim Blättern auch
unterhaltsames findet.
kulturindustrie - 18. Jun, 18:49