Tiefenreinigung.

Es ist immer wieder eine Freude, wenn man auf sichere Werte zählen kann. Dies ist mir erst letzte Woche wieder geschehen. Da hab ich beim lokalen Aufnahmenverticker den Titel «Famous when dead» auf einer CD gesehen. Und man kann sich auch heute noch darauf verlassen, dass der Sound des fünften Teils der Reihe hart und knackig geradeaus nach vorne zieht.



Altbekannte Namen wie etwa Rework und Isolée tragen zu einem gelungenen Album bei, aber auch neue Namen wie Einzelkind. Ganz besonders gefallen hat aber der Track Namens «Plastik» von Simon Baker.

Was heisst hier Dokumentarfilm?

Eine endgültige Klärung dieser Frage ist nicht in Sicht. Wer den Spuren der Diskussion folgen will, die für unsere unterhaltsamen Abstecher mit Verweisen auf die Beliebigkeit mal wieder zu lang wäre, dem sei hier geholfen. Das endlose Archiv Youtube hat mal wieder überrascht: Tatsächlich gibt es komplett hochgeladene Klassiker aus der Geschichte des Dokumentarfilms.

Direkt verwiesen sei hier auf Les Maitres Fous von Jean Rouch aus dem Jahre 1955, der mit schäumenden schwarzen Besessenen erneut die Diskussion anregte, was denn überhaupt erlaubt sei in der Darstellung des anderen, und wie dieses von sich zu gehen habe.

Ein besserer Einstiegspunkt wäre natürlich Nanook of the North von Robert Flaherty aus dem Jahre 1922, der als erstes die Bezeichnung Dokumentarfilm in einer Filmkritik verpasst bekam.

Dass das Dokumentarische aber keineswegs von dem Fiktionalen sauber abzutrennen ist (wie Michael Moore unlängst auch merken musste), das erwies sich bereits in seiner Geburtsstunde: Flaherty liess Nanook beispielsweise mit dem Speer jagen statt mit dem von ihm inzwischen gebrauchten Gewehr, oder er liess ein Iglu nur zur Hälfte bauen um einen "Innendreh" zu ermöglichen.

Documenta IIIIIIIIIIII

Kunst ohne Kontext
Die Reise nach Kassel lohnt sich nur bedingt und dann doch. Unabdingbar ist jedoch der Katalog zur Ausstellung. Ohne diesen Führer geht so gut wie gar nichts, denn dann ist die Documenta nichts weiter als ein eklektistischer Haufen Krempel. Keine Besucherführung, kein Hinweis, dafür jede Menge unfreundliches Personal.

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Die erste der drei Leitfragen «Ist die Moderne unsere Antike» können Pomos nicht einmal beantworten. Das machen die Kuratoren selbst. Benjamin und Klee im Eingang und Richter im ersten Stock.
Unter Berücksichtigung dieses Sachverhalts reicht es vollkommen aus zwei Tage für die Ausstellung zu reservieren. Die restliche Zeit kann man getrost der durchaus schönen Stadt Kassel und ihrer Gastronomie widmen.

Besonders interessant sind neben den zahlreichen Restaurants und Clubs, die Nebenveranstaltungen. In dem kleinen Laden namens «einladen» findet man von hübschen Gürteln bis zu kompetenter Beratung, was am Abend in Kassel zu unternehmen ist, alles. So endet man dann etwa in der Kunsthochschule Kassels, die von 4. bis 8. Juli mit ihrem «Rundgang 2007» ein äusserst attraktives Programm geboten hat.

Kurz, die Documenta ist nett, aber Kassel schöner. Kassel ist aber nicht nur diesen Sommer eine Reise wert.

Sonntags immer frisch Aufgebackenes.

palmsout

Spätestens seitdem sich selbst die kleinen und lokalen Geschäfte, welche mit Musikkonserven handeln, nicht mehr trauen neues und innovatives zu präsentieren und sich fast aussschliesslich nur noch auf jene Produktionen beschränken, die man bestenfalls noch «alternative mainstream» bezeichnen könnte, ist es schwierig geworden neue Musik kennenzulernen. Zum anhören kann man sich nirgends Musik bestellen, das Verkaufspersonal hat meist einen Charme wie Klobürsten und empfiehlt bestenfalls sich ein ihnen unbekanntes Album im Internet probezuhören. Und im Internet gibts neben den 2.5 Songs auf Myspace für ganze Alben auch kaum mehr als 20-Sekunden-Snippets in gar grausliger Qualität.

Wahrlich eine Ausnahme stellt hier nun ein Blog aus Übersee dar. Palms Out Sound ist ein ausgesprochen attraktives Musikblog, welches sich ziemlich spezifisch ein an Elektronika interessiertes Publikum wendet. Das besondere Highlight ist der sogenannte Remix Sunday. Woche für Woche gibt es Sonntags einen Stapel mehr oder weniger gelungener Remixes von aktuellen und angestaubten Tracks, die durch verschiedenste Künstler frisch aufgebacken werden. Von Daft Punk wird da über Britney Spears bis hin zu den Beatles alles und ohne Hemmungen neu gemixt. Mit dabei ein paar von den frischesten Mischern überhaupt. Trentemøller, Patrick Alavi, Mr Oizo, Alan Braxe&Fred Falke, Yuksek und DJ Mehdi sind nur einige Namen, die einem Elektrophilen die Ohren ganz wässrig machen. Hier einige wenige Perlen aus den vergangenen Sonntagen:
Trentemøler remixt Röyksopp
Alan Braxe&Fred Falke remixen Keith
Patrick Alavi remixt Nirvana

Neben den Remix Sundays, die einen laufend neues entdecken lassen, bietet Palmsout auch einen Sample Wednesday, an welchem die Zutaten grosser Hits von Hip Hop bis Elektro im Vordergrund stehen. Nicht zuletzt hat Palmsout nun auch eine Mix Serie gestartet.

Der sonntägliche Klick auf Palmsout hat nun mindestens einen solchen Stellenwert, wie das einstige wöchentliche Einstellen Gilles Petersons Radiosendung «Worldwide».


Wir schauen in die Röhre

Die Weltwoche hat in ihrem kostenlosen Podcast einen schönen Beitrag zur aktuellen Fernsehlandschaft. Unter dem Strich sieht's in etwa so aus: Kino ist langweiliges Eyecandy und vom Fortsetzungswahn renditeangstgequälter Studiobosse versaut. Erzählt wird im TV, allen voran die innovativen Jungs vom Bezahlfernsehen HBO, deren Produktionen wie "Six feet under" allemal Grammys abräumen. Was dazu führt, dass die anderen grossen Networks wie Fox ihrerseits an der Qualität schrauben müssen.

Nur Deutschland schaut in die Röhre, was gemäss den Autoren auf eine nicht ausreichend ausgeprägte Theatervielfalt im Spätmittelalter zurückzuführen ist. Und wegen Kant, dem alten Räsonneur. So das Fazit nach einem schönen Rückblick auf bald 60 Jahre Serien im Fernsehen, das mit "bebilderten Radioshows" wie so oft einfach ein älteres Medium inkorporierte.

Was fehlt, ist lediglich der Hinweis auf die Tatsache, dass eingekaufte Serien nun mal viel billiger sind als selber produzierte. Ob die Aussicht auf Erfolg im eigenen Land mit hoch budgetierten, eigenen Serienformaten irgendwann mal in der deutschen Fernsehlandschaft zu Licht am Ende der einfallslosen Billigproduktionen führt, bleibt abzuwarten.

Die Banalität des Belanglosen

Was soll man schon erwarten, wenn ein Filmemacher einen lustigen Hitlerfilm ankündigt? Am besten gar nichts.

Der neue Film von Dani Levy ist genauso überflüssig wie belanglos. Wurde der Film von Levy als Reaktion auf den Untergang angekündigt, so durften die Erwartungen doch hoch sein. Der «Untergang» ist zwar auch überflüssig, aber dafür war er gut gemacht. Die Erwartung, welche man also zurecht an den unterhaltsamen Hitlerfilm stellen durfte, muss also hoch sein. Dass man mit einem unterhaltsamen Film über Hitler mit anderen Filmen, wie Chaplins «Great Dictator» oder Lubitschs «To be or not to be»verglichen wird, ist absehbar. Die Messlatten liegen mit dem Lubitsch Film natürlich sehr hoch.

Nun war man also gespannt, wie der Basler Filmemacher sich dem Thema nähert. Als erstes wurde bekannt, dass Hitler von Helge Schneider verkörpert werden soll. Der Perfomer von unsäglichen Liedern wie «Katzenklo» hat ja auch schon einige Filme realisiert (unter anderem einen mit dem Enfant Terrible Christoph Schlingensief).

Dass sich Dani Levy schlussendlich darüber empört, dass die Feuilletons seinen Hitlerfilm als zu wenig beissend empfinden, erstaunt dann aber doch. Die Charaktäre bleiben mehrheitlich flach, die Story wirkt zusammengeschustert und ist dramaturgisch eher schwach. Die Witze des Films beschränken sich auf ein Wiederkäuen bereits gemachter Scherze (Levys «Heil dich selbst» ist wesentlich unlustiger als in Lubitschs Film 62 Jahre zuvor) und auf Sampeln von Klischees und Zoten.
In jedem beliebigen «American Pie» werden zotige Scherze professioneller in Szene gesetzt. Wenn die eigentlichen Pointen auf Witze beschränkt werden, die sich vorallem an ein pubertäres Publikum richten (Hitler wird von Blondi bestiegen; H. ist Bettnässer; H. kriegt keine Erektion; der jüdische Protagonist hat den selben Vornamen wie H.; Hitlers Schnauz wird abgeschnitten; Speer ist homosexuell) dann darf man den Film schon als schwach bezeichnen.
Selbst billigste Klischees werden bedient. Gerade, dass Levy nicht auch noch eine Klezmerband in die unzusammenhängende Story eingefügt hat. Doch als Ausgleich dafür darf Helge Schneider als Hitler auch einmal am Klavier sitzen und singen.

Wenn Levy an der Basler Premiere seinen schwachen Film damit entschuldigt, dass er mit seiner Komödie misshandelte Kinder thematisieren wollte, dann wirkt das, als wäre er selbst mit seinem Film nicht zufrieden.
Wenn Levy dann noch anfügt, dass die "schwere Kindheit" Hitlers sicher eine "Erklärung" für seine Verbrechen sei, aber ganz sicher keine "Entschuldigung", spätestens dann wird die ganze Sache auch für den Premierengänger peinlich.

Diesen Film sollte man besser gleich wieder vergessen.


Pomos über alles seit dem Barock bis heute.

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