das wars (Art und so)

Eine Woche ist vergangen und es war viel zu sehen. Vor allem zeitgenössische Kunst, denn - wie in vielen Medien geschrieben wurde - sind Werke der Klassischen Moderne an der Art nun Mangelware. Die Arbeiten dieser Klasse verkaufen sich offenbar besser in Auktionshäusern und schaffen es daher nicht mehr so oft in Galerien zurück (Es sei denn es handelt sich um Drucke, denn die gibts en masse bei der Print Basel). Nun müsste das ja nicht unbedingt ein Manko sein, wenn an der Art nicht so viel altmodisches feilgeboten wird, schliesslich müssten unter den Zeitgenossen ja auch ein paar vernünftige Künstler sein. Doch ist die Art - mit einigen wenigen Ausnahmen - zu einem Sammelbecken von Kunst geworden, die es andernorts auch zu kaufen und zu sehen gibt und die an manch anderem Ort in attraktiverer Atmosphäre präsentiert wird.
Pomos hat den Versuch gewagt und alle Messen besucht. Es ist also Zeit für ein kurzes Résumée dessen, was zu sehen war. Festzustellen ist, dass die Art ein bisschen fader geworden ist. Selbst die Unlimited war nicht so prickelnd, wie in den vergangenen Jahren. Dort, wo letztes Jahr einige neue und spannende Arbeiten zu entdecken waren (etwa jene Videoinstallation von Omer Fast), machte sich eine gewisse Leere breit. Ein herausragendes Werk gab es nicht zu entdecken. Ein grosses Wandbild von pornographischem Dekor, ein überdimensioniertes Puppenhaus von Hirschhorn, das aussah, als hätte es Tillmanns tapeziert, eine alte Installation, die heute wirkt, wie eine Miniatur des Berliner Holocaustdenkmals, mit dem Unterschied, dass man in Basel tatsächlich nicht von Stele zu Stele hüpft.
Die Liste ist auch ein wenig in die Jahre gekommen. Der Besucher kommt sich in den engen Räumen stets ein bisschen wie beim Altwarenhändler vor: Und tatsächlich bestehen die auf der Liste präsentierten Werke oft aus Materialien, die man auf dem Flohmarkt findet. Der gehypte Cyprien Gaillard präsentierte alte Schallplattencover und ramponierte Gemälde aus dem vorletzten Jahrhundert. An anderer Stelle hängen gebrauchte Handtücher und im Keller liegt gar eine aufgeschnittene Zitrone.
Ein bisschen wie beim Tandler kommt man sich auch bei der DesignMiami Basel vor. So richtig interessant waren die Ausgestellten Objekte nicht. Im letzten Jahr war immerhin noch der 100$ Computer zu sehen, dessen Design wie Technik vielleicht nicht cutting-edge ist, aber zweckmässig und robust mag er ja sein.
Dieses Jahr war Audi mit einem grossen Stand prominent vertreten. Aber nicht etwa, weil deren Design so aussergewöhnlich ist, oder die Produkte ein von solch gesellschaftlicher Relevanz sind, wie die 100$ Computer, sondern viel eher, weil Audi seit diesem Jahr die Vehikel für den VIP-Transport von Art (und MiamiDesign) zur Verfügung stellt.

Die Balelatina Hot Art ist von den Räumlichkeiten zwar ähnlich eng, wie die Liste. In einigen Boxen konnten Arbeiten entdeckt werden, die sehr ansprechend sind. Etwa die skulpturale Projektion eines Jakub Nepras, die auf ästhetische Art und Weise (das heiss ohne moralischen Zeigefinger) das Dauerrauschen der audiovisuellen Fliessmedien persifliert. Sie ist damit in eine Reihe zu stellen, mit den beiden anderen Messen im Hafen, die zeitgenössische Kunst präsentieren. Die Volta und die Scope haben beide ein sehr breites Angebot und bieten einen Rahmen, in welchem der Besucher nicht gleich erschlagen wird von der Kunst. Am überzeugendsten war dieses Jahr wieder die Scope (wie berichtet), auch wenn viele Galerien frei nach dem Motto «same procedure as every year» die gleichen Künstler mit der selben Serie präsentierten.
Die jüngste Messe in Basel, die The Solo Project, konnte nicht ganz alle Erwartungen, die man an einen neuen Konkurrenten stellen kann, erfüllen. Einerseits verweigerten sich offensichtlich einige Galerien dem Konzept nur einen Künstler vorzustellen, andererseits war die Qualität doch ziemlich heterogen. Zu loben ist allerdings, die Idee den Besucher in einem mäandernden Schlauch den Besucher auch wirklich alle Galerien besuchen zu lassen. So ist man tatsächlich nie verloren und man hat alles gesehen: Das kann man bei den grösseren Messen kaum erreichen.
kulturindustrie - 8. Jun, 21:51