Whats in the bag? Heute: Das Host-City Basel Set


Der Wettergott meint es nicht gut mit der Schweizer Mannschaft. Jedes Mal, wenn sie spielen ist es nass und kalt. Wobei sie mit zunehmender Nässe besser spielen und umgekehrt bei nachlassendem Regen dann selbst wieder Tore kassieren. Man ist gespannt, wie nass der heutige Tag wird.

Noch bevor das Gastgeberteam Schweiz definitiv raus aus der EM ist, haben wir uns um das Medienpackage von der Host-City Basel bemüht. Der Bag ist leider nicht besonders kleidsam, es handelt sich um einen einfachen Plastiksack mit dem Basler Werbespruch «Mehr als 90 Minuten». So weit so gut.
Besser noch enthält die Tasche als kleine Aufmerksamkeit eine Blechbüchse (mit dem tollen Host-City Claim als Druck). Der Inhalt knapp 400 Gramm Basler Leckerli.

mehrals90Gäste

Neben einem Couvert mit dem Begrüssungsschreiben von Regierungsmitgliedern und dem Eurodelegierten der beiden Basel enthält die Pressetasche eine Einladung am Rahmenprogramm für Medienschaffende teilzunehmen. Sprich, Einladungen für Führungen durch die Stadt, sowie Museen, Foundation Beyeler, Kunstmuseum, Museum Tinguely (in dieser Reihenfolge). Das ist tatsächlich eine gute Idee, die angereiste Sportjournaille in die Kulturtempel der Stadt zu zerren.

Die digitale Pressemappe ist ebenfalls interessant. Hier fällt auf, dass die besten Architekten der Welt, Herzog und DeMeuron, eine sehr gute PR-Abteilung haben, resp. entsprechende Kontakte nutzten. Bei dem zur Verfügung gestellten Bildmaterial in der Kategorie Architektur, werden neben Mario Botta (2 Bilder) nur sie (3 Bilder) namentlich erwähnt. Ihre Basler Konkurrenz Diener und Diener (2 Bilder) und Degelo Architekten (2 Bilder) sind zwar auch vertreten, aber nicht namentlich ausgewiesen.
In der schriftlichen Pressemappe werden die Architekten des Basler Stadions auch gleich als «Basler Berühmtheiten» ausgewiesen (neben Roger Federer, Ottmar Hitzfeld, Arthur Kohn, Ernst Beyeler und Alexander Frei).

Ausserdem beinhaltet die Pressetasche noch eine kleine Willkommensmappe mit einem Stadtplan und weiteren Veranstaltungsbroschüren - und eine 3D-Brille mit dazugehörendem Panorama als Werbung für die «Cyberstadt Basel».

In der heutigen Medienmitteilung freuen sich die Organisatoren mit rund 25'000 Fans über «Gute besuchte Fanzonen». Vielleicht sind sie nicht gut besucht, die Fanzonen, aber gut und besucht, das sind sie schon. Schliesslich sind die Tribünenplätze an der Riviera seit gestern Abend gratis. Da werden sich wieder diejenigen freuen, die sich schon Tickets besorgt haben...

Update von der Eurofront


basel

Wir haben Neuigkeiten aus der VIP-Zone. Die Betreiber des VIP-Angebots im Joggeli habe nicht viel aus den Fehlern gelernt, wie uns versichert wurde. Noch immer fehlen regelmässig genügend Gläser, was den Chef de Service wenig kümmert: «Aha!».
Die Gäste, die sich das Abendessen in der VIP-Zone tatsächlich etwas kosten lassen, werden zumindest ein bisschen über den Tisch gezogen. Einmal geht der Weisswein aus und die Gäste müssen Bier trinken (Das Personal ist ausserdem angewiesen die Kunden zu verbessern: Haben diese eine «Stange» bestellt, soll die Antwort sein: «Gerne bringe ich Ihnen ein Carlsberg»).
Ein ander Mal müssen die Gäste nach dem Spiel wieder an den Tischen mit Rotweinflecken Platz nehmen. Mangels Tischtüchern konnten die Tische vom Servicepersonal nicht wieder hergerichtet werden.

Im Gegensatz zu Tischtüchern kann man aber die Angestellten einfach entfernen. Dass die Service-Mitarbeiter nur einen Satz Arbeitskleider erhalten haben und in Stand halten müssen, darüber haben wir schon berichtet. Sollte sich aber eine der Mitarbeiterinnen in der Hitze des Gefechts die Bluse dreckig machen, wird sie vom Chef de Service heimgeschickt.

Ebenso freundlich ist der Umgang der Organisation mit dem Personal. Als schon alles für die Gäste vorbereitet worden war, diese aber noch nicht zurück vom Spiel waren, wurden die Mitarbeiter angewiesen sich mit dem Rücken zu den Bildschirmen aufzustellen, «schliesslich seien sie ja zum arbeiten da und nicht zum Vergnügen». Eine Mitarbeiterin des Servicepersonals wollte dies nicht einsehen und tat ihren Unmut kund - und wurde prompt heimgeschickt. Gleichzeitig war zu wenig Personal vorhanden um die Gläser für die Gäste zu polieren und in den dem Anlass angemessenen Zustand zu bringen.

Was bringt eigentlich die Euro? Ein Querschnitt.


Bisher machte die Euro und die UEFA eigentlich nur schlechte Nachrichten. Erst wurden die lokalen Wirte verärgert und einzelne Wirte verweigerten sich dem UEFA-Biersponsorendiktat. Dann begannen Hausbesitzer an der Fanzone sich zu verbarrikadieren, indem sie mehr oder weniger provisorische Vorrichtungen anbauen liessen, ums sich vor Horden besoffener und hässlicher Fussballfans zu schützen. Bisher wären diese Massnahmen wegen des schlechten Wetters wohl doch nicht notwendig gewesen, denn das verhältnismässig kühle und manchmal auch leicht feuchte Klima lässt die Fans etwas weniger durstig sein, als das kalkuliert worden war. Das merken aber nicht nur die Hausbesitzer.
Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhren wir, dass das Parterre, das in der Fanzone auf dem Kasernenareal Bier ausschenkt, bereits über 60 für die Euro eigens angestellte Servicearbeiter entlassen hat.

Dass die Fans ausbleiben, müssen aber auch die Bands im Vorprogramm der Spiele merken. Die Italo-Rapper Tre Cani liessen sich die Laune nicht verderben und zogen ihre Show vor nicht viel mehr als 15 Leuten durch (20min brachte ein tolles Foto, allerdings vom Münsterplatz, wo es nicht viel anders aussieht.). Dass sich kaum jemand für das musikalische Rahmenprogramm interessiert, ist für die Musiker gar nicht so schlimm, denn wenigstens in Bezug auf die Gagen liessen sich die UEFA-Leute nicht lumpen. Diese seien «äusserst anständig», versicherte uns einer, der demnächst Erfahrungen als Alleinunterhalter in der Fanzone sammeln darf.

Dass die Fanmeilen und -zonen leer sind, ist indes kein Basler Problem. In Zürich klagen Standbetreiber, dass sie niemals die Kosten der Standmiete (rund 15'000 Franken) hereinholen können. Und in Wien bleibt die Fanzone leer, die die Stadt auf dem Ring, einer der Verkehrsadern der Stadt, eingerichtet hat. Die Fans vergnügen sich lieber im Prater, als in dem langen, eingezäunten Schlauch im Zentrum der Stadt.

Fanzone

Nicht gut abgeschnitten haben die Veranstalter ebenfalls beim VIP-Programm. Von einer Catering-Mitarbeiterin haben wir folgende Geschichte zugetragen bekommen:
Bei einem der VIP-Anlässe am Eröffnungspiel in Basel, bei welchem die Gäste «rund 2'000 Franken» für die Übertragung und ein begleitendes Essen ausgelegt haben, wurde das zweite Spiel nach dem Essen gar nicht erst gezeigt. Denn den Veranstaltern war es nur recht, wenn die Gästen nun endlich gingen.
Daneben war der VIP-Anlass, bei welchem mehrheitlich ungeschultes Servicepersonal arbeitete, insgesamt so schlecht organisiert, dass schon während des Spiels die sauberen Gläser ausgingen und die einzige Geschirrspülmaschine mit der Reinigung nicht nachkam.
Amüsant ist zudem, dass das Servierpersonal in einem von der UEFA vorgegebenen Outfit arbeiten muss (der kurze Rock wird gestellt, zudem müssen die jungen Damen Schuhe mit Absätzen tragen). Pikant ist, dass jede Angestellte jeweils nur ein Exemplar des Rocks erhalten hat - nach einem 10-Stunden Tag (ohne Pause) wird offenbar noch erwartet, dass der Arbeitnehmer das Kostüm zur VIP-Betreuung für den Folgetag selbst reinigt und trocknet.

Prinzipiell dürfte das schlechte Wetter Österreich und die Schweiz vor weiterer Unbill bewahren. Denn bleiben die Temperaturen niedrig und das Wetter eher feucht, dann bestehen auch gute Chancen, dass die Bäume in den Euro-Städten nicht zugrunde gerichtet werden, wie dies bei der Weltmeisterschaft in Deutschland offenbar der Fall gewesen ist, als Horden von Fussballfans die Böden mit ihrem Urin verseuchten. Aber noch ist ja noch nicht aller Tage Abend...

Kunsttrend 2008: Scherben.


Aufgefallen ist beim Besuch der Kunstmessen in Basel, dass vor allem ein Material sich besonderer Beliebtheit erfreut und zwar zerbrochene Bierflaschen. Ob dies etwaige Rückschlüsse auf den Konsum des Künstlers zulässt, kann hier nicht festgestellt werden.
Ebensowenig, ob die Künstler generell etwas gegen Kinder von Kunstkäufern haben, zumal die Verletztungsgefahr recht hoch ist.

rachelowens

Doch ist es amüsant, dass zumindest drei Galerien Künstler ausgestellt haben, die grüne Glasscherben als dekoratives Moment in ihren Skulpturen verwendeten. An der Art Basel war dies ein Obelisk aus Beton, der mit Glasscherben gespickt war und einen besonders wehrhaften Eindruck machte (leider kann hier weder mit Bildmaterial noch dem Galerie- oder besser dem Künstlernamen aufgewartet werden). An der Scope war bei der jungen Jail Gallery, deren Vertretung an der Scope erst durch die Unterstützung von Organisator Alexis Hubshman möglich wurde, eine Skulptur von Landon Wiggs zu finden, die einen Titel trägt, der aus den Simpsons stammen könnte: «Not upside down and not on fire». Hier sind die Scherben auf einen zerdrückten Einkaufswagen appliziert sind. Der Galerist erklärte, dass er Wiggs eigentlich davon abbringen wollte eine «shopping-cart» Skulptur zu machen, da diese in Los Angeles von jedem zweiten Künster mit gefundenen Materialien gestopft oder beklebt werden. Doch Wiggs liess sich nicht überzeugen und antwortete dem Galeristen: «Well, there's a lot of oil on canvas too.»
Die dritte Installation, die in meinen Augen besondere Beachtung verdient, stammt von Rachel Owens und war bei der Zieher Smith Gallery an der Volta zu begutachten. So simpel die Installation des vorgehängten Maschendrahtzauns wirkt, so lebendig scheint sich der aus den Scherben nachgebildete Efeu am Gitter hochzuhangeln. Most adorable!

«Never trust a guy (who's never been a punk)»


IMG_1572

Herrlich, das Wetter ist wieder schön. Zeit also wieder den Nachmittag vor dem Rechner zu verplempern und Musik zu hören. Wollte eben etwas über das Album «The French Machine» von Minitel Rose schreiben (dass es gut ist, obwohl es vokal ist, dass es mehr Pop als Elektro ist, dass sie live - so wie sie klingen - wohl sehr unterhaltsam sind). Doch dann ist mir aufgefallen, dass ein Track «When I was a Punk» heisst, was mich gleich wieder an das grandiose Album «Act. 1» von Sporto Kantes erinnerte, das wohl eine der Perlen arrangierter Musik ist.
Also habe nachgeschlagen, ob die denn wieder was neues gemacht haben - und tatsächlich: Sporto Kantes hat im April das Album «3 at last» veröffentlicht. Das muss ich wohl gleich bestellen, auch wenn die Lieder offensichtlich bei weitem nicht so verspielt sind, wie auf dem ersten und zweiten Album...

das wars (Art und so)


liste

Eine Woche ist vergangen und es war viel zu sehen. Vor allem zeitgenössische Kunst, denn - wie in vielen Medien geschrieben wurde - sind Werke der Klassischen Moderne an der Art nun Mangelware. Die Arbeiten dieser Klasse verkaufen sich offenbar besser in Auktionshäusern und schaffen es daher nicht mehr so oft in Galerien zurück (Es sei denn es handelt sich um Drucke, denn die gibts en masse bei der Print Basel). Nun müsste das ja nicht unbedingt ein Manko sein, wenn an der Art nicht so viel altmodisches feilgeboten wird, schliesslich müssten unter den Zeitgenossen ja auch ein paar vernünftige Künstler sein. Doch ist die Art - mit einigen wenigen Ausnahmen - zu einem Sammelbecken von Kunst geworden, die es andernorts auch zu kaufen und zu sehen gibt und die an manch anderem Ort in attraktiverer Atmosphäre präsentiert wird.

Pomos hat den Versuch gewagt und alle Messen besucht. Es ist also Zeit für ein kurzes Résumée dessen, was zu sehen war. Festzustellen ist, dass die Art ein bisschen fader geworden ist. Selbst die Unlimited war nicht so prickelnd, wie in den vergangenen Jahren. Dort, wo letztes Jahr einige neue und spannende Arbeiten zu entdecken waren (etwa jene Videoinstallation von Omer Fast), machte sich eine gewisse Leere breit. Ein herausragendes Werk gab es nicht zu entdecken. Ein grosses Wandbild von pornographischem Dekor, ein überdimensioniertes Puppenhaus von Hirschhorn, das aussah, als hätte es Tillmanns tapeziert, eine alte Installation, die heute wirkt, wie eine Miniatur des Berliner Holocaustdenkmals, mit dem Unterschied, dass man in Basel tatsächlich nicht von Stele zu Stele hüpft.

Die Liste ist auch ein wenig in die Jahre gekommen. Der Besucher kommt sich in den engen Räumen stets ein bisschen wie beim Altwarenhändler vor: Und tatsächlich bestehen die auf der Liste präsentierten Werke oft aus Materialien, die man auf dem Flohmarkt findet. Der gehypte Cyprien Gaillard präsentierte alte Schallplattencover und ramponierte Gemälde aus dem vorletzten Jahrhundert. An anderer Stelle hängen gebrauchte Handtücher und im Keller liegt gar eine aufgeschnittene Zitrone.
Ein bisschen wie beim Tandler kommt man sich auch bei der DesignMiami Basel vor. So richtig interessant waren die Ausgestellten Objekte nicht. Im letzten Jahr war immerhin noch der 100$ Computer zu sehen, dessen Design wie Technik vielleicht nicht cutting-edge ist, aber zweckmässig und robust mag er ja sein.
Dieses Jahr war Audi mit einem grossen Stand prominent vertreten. Aber nicht etwa, weil deren Design so aussergewöhnlich ist, oder die Produkte ein von solch gesellschaftlicher Relevanz sind, wie die 100$ Computer, sondern viel eher, weil Audi seit diesem Jahr die Vehikel für den VIP-Transport von Art (und MiamiDesign) zur Verfügung stellt.

jakubnepras

Die Balelatina Hot Art ist von den Räumlichkeiten zwar ähnlich eng, wie die Liste. In einigen Boxen konnten Arbeiten entdeckt werden, die sehr ansprechend sind. Etwa die skulpturale Projektion eines Jakub Nepras, die auf ästhetische Art und Weise (das heiss ohne moralischen Zeigefinger) das Dauerrauschen der audiovisuellen Fliessmedien persifliert. Sie ist damit in eine Reihe zu stellen, mit den beiden anderen Messen im Hafen, die zeitgenössische Kunst präsentieren. Die Volta und die Scope haben beide ein sehr breites Angebot und bieten einen Rahmen, in welchem der Besucher nicht gleich erschlagen wird von der Kunst. Am überzeugendsten war dieses Jahr wieder die Scope (wie berichtet), auch wenn viele Galerien frei nach dem Motto «same procedure as every year» die gleichen Künstler mit der selben Serie präsentierten.

Die jüngste Messe in Basel, die The Solo Project, konnte nicht ganz alle Erwartungen, die man an einen neuen Konkurrenten stellen kann, erfüllen. Einerseits verweigerten sich offensichtlich einige Galerien dem Konzept nur einen Künstler vorzustellen, andererseits war die Qualität doch ziemlich heterogen. Zu loben ist allerdings, die Idee den Besucher in einem mäandernden Schlauch den Besucher auch wirklich alle Galerien besuchen zu lassen. So ist man tatsächlich nie verloren und man hat alles gesehen: Das kann man bei den grösseren Messen kaum erreichen.

«it's random»


Ein Toppkandidat für den Preis «Verlierer des Tages», den wir diese Woche täglich vergeben wollten, war am Dienstag schon Franck Scurti, als wir an der Scope jene Galerie besuchten, die ihn in einer Soloshow präsentierte. Da waren ein paar Vasen, mehr oder weniger fragmentiert, da war ein Kunst- (haha Zweideutigkeit) Blumenstrauss, bemalt mit Flaggen. Die Galeristin war sehr bemüht und hat sich offensichtlich gefreut, dass sich jemand für Franck interessiert und erklärte uns, dass der Künstler die Farben, die vom Kunstblumenmalen übrig waren, für das Bepinseln von Magazinseiten nutze, die ebenfalls käuflich zu erwerben waren.

FranckScurti2

Was die Galeristin aber besser hätte bleiben lassen, ist uns den Künstler persönlich vorzustellen, der uns auf Nachfrage zu seinem Strauss so interessante Erläuterungen gab, wie etwa: «It's not states, it's flags», was er kurz darauf wieder dementieren sollte, als ihn Phex an anderer Stelle ausführlich zitierte.
Weiter erklärte er uns eben dies, was uns auch schon die Galeristin in Kunsthistoriker-Lyrik dargelegt hatte, diesmal aber in klarer Sprache, die den wahren Wert des Opus offenbarte: Magazinseiten, mit Restfarbe bemalt. Toll und «it's random».

Und dann waren da noch die Partys

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Während die "offizielle" Eröffnungsparty der Art im Annex/Aqua/Kuppel vor aufgeblasenen Kunstfuzzis nur so strotzte und hemmungslos überlaufen wie auch mit furchtbar schlechter Musik beschallt wurde, war die heute stattfindende Vice Switzerland Party um Längen besser.

Ich bin schon seit längerem ein Fan von dem Vice-Magazin. Nicht nur, weil es gratis ist, sondern auch weil die Redakteurinnen und Redakteure auf liebenswerte Art und Weise anders sind als die anderen, und zwar gut (=richtig) anders. Sie hören die richtige Musik, haben richtig blöde Ideen und haben zu allem eine richtige Meinung. Die Dos und Dont's-Stilkritiken kann man als vertrauenswürdigen Gradmesser der jeweils aktuellen Haute Couture benutzen. Nach den schon etwas länger existierenden Vice-Lokalausgaben in Skandinavien (wo ich sie auch das erste Mal gesehen habe) und Deutschland, wo sie als Ausrede für Berlin-Besuche herhalten können, gibt es seit einiger Zeit auch eine Vice-Variante für die Schweiz.

Die Party im Singerhaus in Basel, das auch schon für andere ehrenwerte Anlässe wie den Bscene-Kickhoff herhielt, wurde netterweise von Bacardi gesponsort und war mit einer bunten Mischung von lustig anzushenden Gästen gefüllt, die grösstenteils dem New-Rave (uh, jetzt hab ich es gesagt) Fashiondiktat folgten. Einziges Manko war unsere fehlende Einladung für den VIP-Bereich- was ist das schiefgelaufen, Vice? Sonst aber: netter Bacardi, nette Musik, gerne wieder.

All about the business...


vitra2

Eben feiert Vitra die morgige Eröffnung der Ausstellung «Dubai next». Gekommen sind sie alle: Der Scheich, sein Angestellter, Michael Schindhelm und dessen Kuratoren, der Palästinenser Jack Persekian und der Architekt Rem Kolhaas. Was ursprünglich sehr interessant klang, entpuppte sich dann doch eher als lau. Die Veranstalter lobten in der Pressekonferenz sich selbst und Dubai. Dabei führte Schindhelm aus, dass die Dubai Culture & Arts Authority durch die eigene Arbeit mit lokalen und internationalen Künstlern einen Beitrag zum «globalen Frieden» leisten wolle. Man müsse in Dubai an einer «kulturellen Identität» arbeiten, zumal nur 20% der dortigen Bevölkerung Eingeborene sind.
Das dürfte generell schwierig sein, denn viele der Fremdarbeiter in Dubai wollen sich dort gar nicht dauerhaft niederlassen und zu so etwas wie einer kulturellen Identität beitragen, sondern nur Geld verdienen. Dubai sei daher nicht mit den USA vor ein-, zweihundert Jahren zu vergleichen. «That's Dubai» schloss Schindhelm...

Als die Konferenz beendet war, wollte man eine Fragerunde durchführen. Erst wollte niemand, und dann stellte doch noch jemand eine Frage, nämlich wie den die freie (westliche und zeitgenössische) Kunst und Dubai zusammengehen. Nachdem Schindhelm die Frage diplomatisch pariert hatte (es gehe natürlich nicht alles, man müsse auf Kultur und Menschen Rücksicht nehmen), meldete sich Persekian und antwortete, dass Kunst natürlich nur in geschütztem Raum und nur im entsprechenden Kontext präsentiert werden könne. Reine Provokation in Dubai, das ginge nicht, schliesslich beginne man ein Gespräch auch nicht mit einem Tritt ins Gesicht. Das stimmt zwar schon, aber manchmal kümmert das die Kunst bekanntlich nicht.

vitra3

Die Ausstellung selber ist nur mässig interessant, Foto- und Videoarbeiten von lokalen Künstlern werden mit Bildern aus dem Land präsentiert. Ergänzt und abgerundet wird das ganze durch eine historische Präsentation der Entwicklung Dubais, sowie zwei Architekturmodellen, deren Auswahl auch eher zufällig erfolgt zu haben scheint. Man wird den Eindruck nicht los, einer kollektiven Marketingaktion von Vitra und Dubai beigewohnt zu haben.


Pomos über alles seit dem Barock bis heute.

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