Bisher machte die Euro und die UEFA eigentlich nur schlechte Nachrichten. Erst wurden die lokalen Wirte verärgert und einzelne Wirte verweigerten sich dem UEFA-Biersponsorendiktat. Dann begannen Hausbesitzer an der Fanzone sich zu verbarrikadieren, indem sie mehr oder weniger provisorische Vorrichtungen anbauen liessen, ums sich vor Horden besoffener und hässlicher Fussballfans zu schützen. Bisher wären diese Massnahmen wegen des schlechten Wetters wohl doch nicht notwendig gewesen, denn das verhältnismässig kühle und manchmal auch leicht feuchte Klima lässt die Fans etwas weniger durstig sein, als das kalkuliert worden war. Das merken aber nicht nur die Hausbesitzer.
Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhren wir, dass das
Parterre, das in der Fanzone auf dem Kasernenareal Bier ausschenkt, bereits über 60 für die Euro eigens angestellte Servicearbeiter entlassen hat.
Dass die Fans ausbleiben, müssen aber auch die Bands im Vorprogramm der Spiele merken. Die Italo-Rapper
Tre Cani liessen sich die Laune nicht verderben und zogen ihre Show vor nicht viel mehr als 15 Leuten durch (20min brachte ein tolles
Foto, allerdings vom Münsterplatz, wo es nicht viel anders aussieht.). Dass sich kaum jemand für das musikalische Rahmenprogramm interessiert, ist für die Musiker gar nicht so schlimm, denn wenigstens in Bezug auf die Gagen liessen sich die UEFA-Leute nicht lumpen. Diese seien «äusserst anständig», versicherte uns einer, der demnächst Erfahrungen als Alleinunterhalter in der Fanzone sammeln darf.
Dass die Fanmeilen und -zonen leer sind, ist indes kein Basler Problem. In
Zürich klagen Standbetreiber, dass sie niemals die Kosten der Standmiete (rund 15'000 Franken) hereinholen können. Und in Wien bleibt die Fanzone
leer, die die Stadt auf dem Ring, einer der Verkehrsadern der Stadt, eingerichtet hat. Die Fans vergnügen sich lieber im Prater, als in dem langen, eingezäunten Schlauch im Zentrum der Stadt.
Nicht gut abgeschnitten haben die Veranstalter ebenfalls beim VIP-Programm. Von einer Catering-Mitarbeiterin haben wir folgende Geschichte zugetragen bekommen:
Bei einem der VIP-Anlässe am Eröffnungspiel in Basel, bei welchem die Gäste «rund 2'000 Franken» für die Übertragung und ein begleitendes Essen ausgelegt haben, wurde das zweite Spiel nach dem Essen gar nicht erst gezeigt. Denn den Veranstaltern war es nur recht, wenn die Gästen nun endlich gingen.
Daneben war der VIP-Anlass, bei welchem mehrheitlich ungeschultes Servicepersonal arbeitete, insgesamt so schlecht organisiert, dass schon während des Spiels die sauberen Gläser ausgingen und die einzige Geschirrspülmaschine mit der Reinigung nicht nachkam.
Amüsant ist zudem, dass das Servierpersonal in einem von der UEFA vorgegebenen Outfit arbeiten muss (der kurze Rock wird gestellt, zudem müssen die jungen Damen Schuhe mit Absätzen tragen). Pikant ist, dass jede Angestellte jeweils nur ein Exemplar des Rocks erhalten hat - nach einem 10-Stunden Tag (ohne Pause) wird offenbar noch erwartet, dass der Arbeitnehmer das Kostüm zur VIP-Betreuung für den Folgetag selbst reinigt und trocknet.
Prinzipiell dürfte das schlechte Wetter Österreich und die Schweiz vor weiterer Unbill bewahren. Denn bleiben die Temperaturen niedrig und das Wetter eher feucht, dann bestehen auch gute Chancen, dass die Bäume in den Euro-Städten nicht zugrunde gerichtet werden, wie dies bei der Weltmeisterschaft in Deutschland offenbar der Fall gewesen ist, als Horden von Fussballfans die Böden mit ihrem Urin verseuchten. Aber noch ist ja noch nicht aller Tage Abend...
kulturindustrie - 12. Jun, 09:00